Mitsubishi L200 2,5 DI-D HP
20.01.2010
Steuerlicher Volltreffer

Bei diesem Match sind die drei Punkte schon zu Beginn der ersten Halbzeit fix vergeben und die drei Diamanten leuchten zu Recht. Man glaubt es kaum, aber nach Diskussionen über Krümmungsradien von Bananen oder das Ende der 100 Watt-Glühbirne kommen aus Brüssel auch Vorgaben, die leichten Nutzfahrzeugen und da besonders dem Mitsubishi L200 mit Doppelkabine ein echtes Steuerzuckerl auf die Ladefläche packen. Dieser darf sich nach den bereits 2007 festgelegten Richtlinien nämlich nur mehr dann Lkw nennen, wenn seine Pritsche halb so lang wie der Radstand ist. Grund genug für die Mitsubishi-Techniker, dem Traditions-Pick-Up eine bedarfsgerechte Verlängerungskur zu verpassen. Ohne groß in der Trickkiste herumzuwühlen, haben sie den hinteren Überhang des Nutzfahrzeug-Allradlers einfach um die fehlenden 18 Zentimeter vergrößert und gleichzeitig die Bordwände angehoben.
In absoluten Zahlen verschwinden hinter den fünf Sitzplätzen damit Güter bis zu einer Länge von 1,50 m und einer Höhe von 46 cm.
Unbemerkter Platzgewinn
Am Cockpit des seit vergangenem Jahr stärksten Pick Up am österreichischen Markt geht die Brüssler Rosskur trotz spürbar größerem Überhang sang- und klanglos vorüber. Noch dazu wo die 178 Hafervergaser unter der Motorhaube deutlich freudiger an ihren Job gehen, als bei unserer ersten Zusammenkunft (siehe STRAGÜ 5/2009, Seite 39). Von unten weg vielleicht etwas zäh im Auftreten, spielen sich die maximal 400 Newtonmeter sogar bei voller Kabine und ebensolcher Ladefläche mit der ihnen zugedachten Aufgabe. Mögliche Grenzen sind in diesem Fall eher rechtlicher denn alltäglicher Natur, wie die im Zulassungsschein vermerkten 765 Kilogramm Nutzlast zeigen. Wenigstens stehen bei umfangreicheren Transporten und aufgebauter Anhängekupplung zusätzlich bis zu 2,7 Tonnen Anhängelast parat. Die Überraschung bei der Tankstelle: Im Solobetrieb bei gemischten Einsätzen begnügt sich der 4-Zylinder mit moderaten 8,7 Liter je 100 Kilometer. Immer noch ohne den wiederholt geforderten 6. Gang, wohlgemerkt.
Optisch hui, sonst ab und zu …
So gar nicht zum bärenstarken Image des verlängerten Klassenprimus passen einige kleine Ausführungs-Details des Mitsubishi. So verlieren die ins Schloss fallenden Türen jeden direkten akustischen Vergleich mit nur mehr halbvollen oder möglicher Weise sogar leeren Getränkedosen. Auch die Qualität einiger Interieur-Bauteile verlässt den Ring im haptischen Wettstreit mit der Tupperware-Armada aus der eigenen Küche spätestens zu Beginn der zweiten Runde. An diesen Missständen kann selbst das unverändert einprägsame Design mit der gewagt, geschwungenen Trennkante zwischen Kabine und Ladefläche nur schwer gegensteuern.
Fazit: Selten waren unumgängliche Vorgaben der Europäischen Union so sympathisch wie hier. Um auch den Fiskus an dieser Tatsache teilhaben zu lassen, fahren wir übrigens mindestens einmal täglich bei unserem zuständigen Finanzamt vorbei. Mit einem Lächeln auf den Lippen, versteht sich.
>> Fact-Box
Motor: 2,5 Liter 4-Zylinder-Common-Rail-Turbodiesel, 131 kW (178 PS)
Eigengewicht: 1.955 kg
Nutzlast: 765 kg
Anhängelast ungebremst/gebremst: 750 kg/2.700 kg
Testverbrauch: 8,7 l/100 km
Grundpreis: 27.700,-- Euro (exkl. MwSt.)
+mehr Platz auf der Ladefläche
+weiterhin steuerlich interessant
+mit 178 PS top motorisiert
–einzelne qualitative Durchhänger
–unveränderter Antriebsstrang
–wenig Platz in zweiter Reihe

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