Congresspark Igls - Kraftfahrzeugbau im Umbrauch
08.01.2010
Die Zukunft des Automobilbaus

Der Congresspark Igls bei Innsbruck war Schauplatz eines spannenden und unterhaltsamen Kfz-Branchen-Events. Landesgremialobmann Ing. Wolfgang Rötzer zog Bilanz über das Jahr 2009 und sprach von „zufriedenstellenden Ergebnissen, trotz allem“. In Tirol habe es heuer 24.000 Neuzulassungen gegeben. Das ist ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Bezirk Lienz sei sogar ein Zuwachs von 20 Prozent zu konstatieren. „Jene Marken, die ein aggressives Preis/Leistungsverhältnis geboten haben, haben im Rahmen der Ökoprämie am meisten gewonnen“, sagte LGO Rötzer. Der Trend zu kleineren, gut ausgestatteten Fahrzeugen habe sich noch verstärkt. In Hinblick auf 2010 sprach Rötzer von der Ungewissheit der Zukunft der GVO: „Die so wesentlichen Punkte wie Mehrmarkenbetrieb und freie Standortwahl werden vermutlich geopfert. Wenn es keine Verlängerung der Kfz-GVO geben sollte, dann werden wir national für eine Absicherung unserer Betriebe sorgen“, versprach Rötzer. Es werde aber keinesfalls eine „Pragmatisierung unserer Händlerverträge“ geben, „jeder Betrieb wird weiter kämpfen müssen“, so der Landesgremialchef.
Kfz-Bau im Umbruch
Das große Highlight des Abends war sodann der spannende Vortrag von DI Wolfgang Wister von Magna Steyr zur Zukunft des Antriebs im Automobilbau. „Es gibt zwei starke Parameter für ein Umdenken, also für eine Abkehr vom reinen Verbrennungsmotor: die Verfügbarkeit, sprich: der Rohölpreis wird angesichts der Endlichkeit fossiler Ressourcen weiter steigen und die Umweltbelastungen“, skizzierte Wister die strukturellen Veränderungen. Die Erdölvorräte seien bis zum Jahr 2030 gesichert. Das Automobil mit Verbrennungsmotor werde also in jedem Fall bleiben. Freilich mit optimierter Technik. Der Kraftfahrzeugbestand werde, so Wister, weiterhin weltweit steigen. Bis 2020 in Asien um 160 Prozent, in den USA um 23 und in Europa um 38 Prozent. In puncto Elektromobilität gab sich Wister realistisch: „In Deutschland sollen bis 2020 zirka eine Million Elektro-Fahrzeuge auf den Straßen sein. Die Lithium-Ionen-Batterie kostet zurzeit zwischen 8 und 14.000 Euro. Ohne Anschubfinanzierung von Seiten des Staates wird‘s nicht gehen.“

Landesgremialchef Tirol Wolfgang Rötzer
Folgende technische Maßnahmen würden Wege aus der Krise weisen:
•Gewichtsreduktion (aber: gesetzliche Sicherheitsstandards machen die Fahrzeuge grundsätzlich immer schwerer)
•Verringerung der Reibungswiderstände
•Vermehrter Einsatz von Hybridfahrzeugen
•Downsizing der Flotte
•Bessere Verkehrsregulierung (Stauvermeidung)
Wohin geht die Reise prinzipiell bei den Antrieben? Wolfgang Wister ist davon überzeugt, dass es nicht eine einzige Technologie sein werde. CNG, Hybrid, Elektro und Wasserstoffmotor bzw. Brennstoffzelle würden parallel beudeutend werden. Bis 2030 werde der klassische Verbrennungsmotor klar in der Pole-Position bleiben. Beim Elektro-Antrieb gebe es noch zahlreiche Probleme zu klären: „Wie werden wir die Batterie laden? An der Steckdose, wo und wie werden wir die Batterie tauschen? Dazu kommt noch, dass die Reichweite der Lithium-Ionen-Batterie momentan auf maximal 160 km begrenzt ist.“
Conclusio
Auf folgende Sachverhalte müsse sich die Kfz-Branche in jedem Fall einstellen: der konventionelle Verbrennungsmotor wird stark bleiben. Parallel dazu würden Elektrofahrzeuge eine stärkere Marktdurchdringung erfahren. Wister schätzt den Anteil am Fahrzeugbestand im Jahr 2020 auf zirka fünf Prozent. „All diese Entwicklungen hängen allerdings sehr stark von der EU-Gesetzgebung ab“, betonte Wister. Neue Fahrzeugtechnologien bedürften neuer Gesetze.

KFZ-WIRTSCHAFT
Video zur GVO Tagung
[Video]

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