Wirtschaftskammer-Präsident Dr. Christoph Leitl
08.01.2010
„Alle Kraft dem Wachstum“

KFZ Wirtschaft: Herr Dr. Leitl, wie sieht der Wirtschaftskammerpräsident das Jahr 2009 im Rückblick? Und was wurde von Seiten der Wirtschaftskammer gegen die so genannte Krise unternommen?
Christoph Leitl: Ich kann mich an kein Jahr erinnern, das für Österreichs Wirtschaft mit ähnlich großen Herausforderungen verbunden war. Neben der akuten Krisenbewältigung ging es mir vor allem um zwei Dinge: Erstens darum, die Finanzierungsbedingungen für unsere Betriebe, die ja unverschuldet von dieser Krise getroffen wurden, zu erleichtern und zweitens, die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen.
Was wurde umgesetzt, was nicht?
Auf der Habenseite sind definitiv die zwei Konjunktur- und Arbeitsmarktpakete sowie die Haftungs- und Kreditprogramme für Klein-, Mittel- und Leitbetriebe zu verbuchen. Zudem fällt 2010 endlich die leidige Schlechterstellung von Selbständigen in puncto steuerbegünstigtes Jahressechstel und wirkt unser nationales Maßnahmenpaket zur Milderung der krisenverschärfenden Wirkung von Basel II. Nun gilt es, alle Kraft in einen nachhaltigen Aufschwung zu stecken – etwa durch einen Steuerbonus auf Handwerkerleistungen und mehr Mittel für die thermische Sanierung. Und natürlich brauchen wir eine umfassende Staats- und Verwaltungsreform.
Was wird 2010 auf unsere Betriebe zukommen, worauf ist zu achten?
Obwohl die Rezession in der zweiten Jahreshälfte gestoppt wurde, erwarte ich für 2010 weitere Turbulenzen. Unsere Antwort muss eine dreifache sein: Wachstum, Wachstum und nochmals Wachstum. Nur wenn die Betriebe Aufträge haben, können sie für Beschäftigung und Wohlstand sorgen.
Die Wirtschaftskammer vertritt 400.000 Mitgliedsbetriebe. Was tun Sie für Ihre Mitglieder konkret?
Wir sind so etwas wie eine Vollkaskoversicherung. Ob es um Finanzierungsprobleme geht oder das Ausloten neuer Exportmärkte, rechtliche Hürden bei der Gründung, die Suche nach dem richtigen Lehrling oder Probleme im EU-Binnenmarkt – die Wirtschaftskammer und ihre Service-Einrichtungen stehen den Unternehmen mit gezielter Beratung zur Seite. Wenn Betriebe ein Problem haben, suchen wir gemeinsam mit ihnen nach der Lösung.
Wie argumentieren Sie die Pflichtmitgliedschaft?
Die Stärke der Wirtschaftskammer rührt daher, dass sie die gesamte gewerbliche Wirtschaft vertritt und solidarisch aufgebaut ist. Die Alternative wäre, dass ein paar finanzkräftige Große den Ton angeben und mit Austritt drohen könnten, wenn es nicht nach ihrem Sinn läuft. Internationale Beispiele zeigen, dass Wirtschaftskammern überall dort besonders stark und erfolgreich im Sinne ihre Mitglieder tätig sind, wo es eine Pflichtmitgliedschaft gibt. Deshalb bin ich überzeugt, dass deren Nutzen die Kosten bei weitem übersteigt.
Sie sind seit dem Jahr 2000 Präsident der WKO. Was ist Ihre Motivation, was wollen Sie persönlich noch erreichen?
Ich stelle mich 2010 mit großem Engagement der Wiederwahl als Wirtschaftskammer-Präsident. Wir leben in einer wirtschaftlich extrem herausfordernÂden Zeit, in der ich mir nichts Spannenderes vorstellen kann als den österreichischen Betrieben zu dienen und sie in schwierigen Zeiten zu begleiten.
Was erwarten Sie von den Kammerwahlen im Frühjahr?
Die Wählerinnen und Wähler bei der Wirtschaftskammerwahl geben ein klares Signal für eine starke Begleitung der österreichischen Betriebe in turbulenten Zeiten ab. In den vergangenen Jahren haben alle wahlwerbenden Gruppen gut zusammengearbeitet. Das hat uns stark gemacht. 2010 wird nicht einfach. Da braucht es weiter ein Zusammenhalten und eine gute Zusammenarbeit im Interesse der Firmen.
Wie sind Sie mit der Arbeit des Bundesgremiums des Fahrzeughandels und mit der Bundesinnung der Kfz-Techniker zufrieden?
Die Kfz-Wirtschaft in Österreich ist ein wichtiger Arbeitgeber und Ausbildner. Ihre Interessenvertreter bringen die Anliegen „ihrer“ Branchen vehement in Diskussionen und Entscheidungskreisläufe ein, und das sowohl verbal als auch schriftlich. Die Kfz-Wirtschaft leistet aber auch ihren Beitrag; beispielhaft nenne ich da die Mitfinanzierung der Öko-Prämie.
Sollte es für den Fahrzeughandel wieder Unterstützung geben à la Öko-Prämie?
Die Politik in Österreich, allen voran Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, hat rasch gehandelt und mit der Öko-Prämie zur Verjüngung des Autobestandes in Österreich eine wichtige Unterstützung für Umwelt und Automotiv-Branche geleistet. Die Öko-Prämie war aber, das wurde klar deponiert, eine einmalige, zeitlich befristete Reaktion der Politik.
Erwarten Sie nach dem Boom der Öko-Prämie einen Absturz der Neuzulassungszahlen im Jahr 2010?
Die Öko-Prämie hat gewirkt. Und auch nach ihrem Auslaufen steigt die Zahl der in Österreich neu zugelassenen Fahrzeuge - im November 2009 im Vergleich zum Vorjahresmonat um insgesamt 21,9 Prozent. Ich bin kein Pessimist, sondern Realist: Daher sehe ich keinen Absturz, sondern eine Stabilisierung, ein Einpendeln des Fahrzeugabsatzes in Österreich.

KFZ-WIRTSCHAFT
Video zur GVO Tagung
[Video]

SITELINKTYREE.100.AT
Reifen- und Felgengroßhandel. Der online Marktplatz. 100% Kostenlose Nutzung. Keine Vertragsbindung. Nur für KFZ-Gewerbetreibende.
|
Werbung
Werbung


Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share
Kommentar schreiben




