Im größten Motoren- und Getriebewerk von GM Powertrain in Wien-Aspern produzieren 1850 Mitarbeiter rund eine Million Getriebe und Motoren pro Jahr. Bis 2014 will General Motors ca. 200 Millionen Euro in das Aspener Vorzeigeunternehmen investieren. Die KFZ Wirtschaft bat Generaldirektor DI Rudolf Hamp zum Interview.
KFZ Wirtschaft: Herr Generaldirektor, wie haben Sie während der Verhandlungen zwischen GM und Magna geschlafen?
Rudolf Hamp: Ganz normal. Das GM Powertrain-Werk in Wien-Aspern hätte auch bei Magna genau so ein Standing gehabt wie jetzt. Das Platzen des Deals war natürlich ein Schock, weil er völlig überraschend gekommen ist.
Tut es Ihnen Leid, dass der Magna-Deal geplatzt ist?
Das kann man so nicht sagen. Ich bin davon überzeugt, dass unser Weg mit GM ein sehr guter ist. Aspern ist mit GM immer gut gefahren. Über die Jahre hat der Konzern immerhin 2,2 Milliarden Euro in Aspern investiert.
Haben Sie jemals Angst um den Fortbestand von Aspern gehabt?
Nein. Nur bei einem Gesamtkonkurs von Opel hätte es das Risiko gegeben, dass wir zusperren müssen.
Wie ist die Stimmung momentan im Werk angesichts der zahlreichen Jubelmeldungen, wonach GM bis 2014 gut 200 Millionen Euro investieren will und dass die Getriebeproduktion vom Bochumer Werk nach Aspern verlegt werden solle?
Die Stimmung ist verhalten, weil auf europäischer Ebene entschieden wird und Vieles ganz einfach noch nicht ausgegoren ist. Dass die Getriebeproduktion von Bochum zu uns verlegt werden soll, ist noch nicht entschieden. Tatsache ist, dass das Werk in Wien-Aspern sehr gut aufgestellt ist. In unserem besten Jahr – 2007 – haben wir 1,6 Millionen Motoren und Getriebe produziert. Im vergangenen Jahr haben wir gut eine Million geschafft, und heuer planen wir einen zweistelligen Zuwachs.
Sind die Jobs der 1850 Mitarbeiter gesichert?
Ja. Wir haben zusätzlich seit Dezember 2009 120 Zeitarbeiter eingestellt. Ich rechne mit einem weiteren Anstieg. Wir agieren sehr umsichtig. Keine Euphorie, aber schon gar kein Pessimismus.
Worauf basiert die Erfolgsstory von GM Powertrain in Aspern?
Auf höchster Qualität und Produktivität. In puncto Effizienz waren wir immer Vorreiter im Konzern. Wir erzeugen derzeit pro Tag im Schnitt 5000 Motoren und Getriebe.
Wie ist Opel Ihrer Meinung nach derzeit aufgestellt?
Sehr gut. In der Vergangenheit hat es – zugegeben – einige Probleme gegeben. Nun ist der Marke mit den Modellen Insignia, Astra und Meriva ein Wurf geglückt. Im neuen Astra kommt etwa der bei uns hergestellte 1,4 Liter-Turbo ECOTEC-Motor mit 140 PS zum Einsatz, der die GM-Motorenfamilie ergänzt. Damit gelingt uns der Schritt ins Mittelklasse-Segment.
Wie sehen Sie die Zukunft von Aspern?
Der Wettbewerb wird jedenfalls härter. Auch der interne. In den Industrieländern ist der Automarkt gesättigt und es stellt sich die Frage, ob wir dorthin zurückkehren können, wo wir einmal waren. Was die Fertigung betrifft: So schnell können wir in Österreich gar nicht arbeiten, dass wir in Bezug auf die Kosten mit den Schwellenländern wie China und Indien konkurrenzieren können. Unsere Stärken sind Qualität und Flexibilität. Unsere Chance liegt darin: Solange wir die Anforderungen von GM erfüllen ohne anderswo investieren zu müssen, werden wir unsere Position gut halten.
Wie ist Wien-Aspern in puncto alternativer Antriebe gewappnet?
Wir sind ja ein reiner Fertigungsbetrieb. Eine Entwicklungsabteilung gibt’s bei uns gar nicht. Ich denke, dass sich in den nächsten zehn Jahren nicht viel ändern wird. Die Tendenz geht klar in Richtung Elektromobilität, wobei ich die Euphorie nicht teile, dass in ein paar Jahren bereits ein enormer Anteil der Autos mit Strom fahren wird. Die Vielfalt wird groß sein: CNG, Hybrid, LPG, E85, Elektro und Wasserstoff- bzw. Brennstoffzelle. Der kleine effiziente Verbrennungsmotor wird also noch sehr lang eine wichtige Stellung einnehmen.
Gibt es ein spezielles Ziel, dass Generaldirektor Hamp noch unbedingt verwirklichen will?
Ja, dass im GM Powertrain-Werk in Wien-Aspern pro Jahr über zwei Millionen Getriebe und Motoren produziert werden und das Werk an sechs Tagen pro Woche ausgelastet ist. Das möchte ich noch erleben.

Daten und Fakten
Wien-Aspern ist das größte Motoren- und Getriebwerk von GM Powertrain. Heute produzieren 1850 Mitarbeiter mehr als eine Million Getriebe und Motoren jährlich.
Die Bilanz des GM Powertrain-Werks in Aspern nach 27 Jahren: 19 Millionen Getriebe, 10,7 Millionen Motoren und 2,7 Millionen Vierventil-Zylinderköpfe.
Die Produktpalette reicht von Twinport-ECOTEC-Motoren von 1,0 bis 1,4 l Hubraum für Opel Corsa, Combo, Meriva und Astra bis Fünfganggetriebe F17 für Benzin- und Dieselmotoren bis 1,8 l Hubraum, Sechsgang-Getriebe M20 und M32 für Benziner und Diesel bis 2,2 l, Easytronic-Getriebe der Baureihen F13, F17, M20 und M32.
Im Jänner 2010 startete in Aspern die Produktion des neu entwickelten 1,4 Liter Turbo ECOTEC-Benzinmotors, der im neuen Astra debutiert und später in den Opel-Modellen Meriva, Zafira und Insignia sowie im Chevrolet Cruze zum Einsatz kommen wird. Im neuen Astra ist der 1,4 Liter Saugmotor mit einem Verbrauch von 5,5 Liter einer der sparsamsten Benziner in der Kompaktklasse.
Dank GM Powertrain Wien Aspern gilt Folgendes: Jeder zweite Opel fährt mit einem Getriebe, jeder dritte Opel mit einem Motor „Made in Austria“.